Höhlenbiologie ist die wissenschaftliche Untersuchung der in Höhlen vorkommenden Flora und Fauna. Sie beschäftigt sich mit den besonderen ökologischen Bedingungen und den biologischen Anpassungen der Organismen, die unter extrem lichtarmen, feuchten und stabilen Temperaturverhältnissen leben.
Pflanzen in Höhlen
Pflanzen, die für die Photosynthese Licht benötigen, kommen ausschließlich im Eingangsbereich von Höhlen vor, da dort noch genügend Licht verfügbar ist. Tiefer in der Höhle fehlt die Lichtquelle vollständig, sodass oberirdische Pflanzenarten dort nicht überleben können.
Tiere in Höhlen
Tiere, die dauerhaft in Höhlen leben, werden als Troglobionten bezeichnet. Viele Tiere, die häufig als Höhlentiere wahrgenommen werden – wie etwa Fledermäuse – sind jedoch nur Höhlenbesucher oder höhlenliebende Arten, die ihren Lebenszyklus teilweise außerhalb der Höhle absolvieren.
Klassifikation von Höhlentieren
Die Einteilung der Höhlentiere wurde ursprünglich 1854 vom österreichischen Entomologen Ignaz Rudolph Schinereingeführt und 1907 vom rumänischen Biologen Emil Racoviţă modifiziert. Dieses Schiner-Racovitza-System wurde über Jahrzehnte verwendet, obwohl es oft als unpräzise kritisiert wurde.
Im 20. Jahrhundert wurden zahlreiche Alternativen vorgeschlagen:
- Kenneth A. Christiansen (1962): Klassifizierung basierend auf morphologischen Anpassungen statt auf Lebensraum.
- Thomas Calhoun Barr Jr. (1968): Modifiziertes Schiner-Racovitza-System für Land- und Wasserhöhlenbewohner.
- August Thienemann & Janine Gibert: Alternative Systeme für wasserlebende Organismen.
- Mario Pavan (1944) & Sandro Ruffo (1957): Einführung des Begriffs Subtroglophile für Höhlenbesucher.
Da diese Übersicht einen ersten Einblick bieten soll, wird hier hauptsächlich das klassische Schiner-Racovitza-System verwendet.
Übersicht der Höhlentier-Kategorien
| Land-Höhlentier | Wasser-Höhlentier | Erklärung |
| Troglobiont |
Eutroglobiont |
Echte Höhlentiere (Stygobit) – Tiere, die ausschließlich in Höhlen leben und außerhalb nicht überlebensfähig sind. Sie zeigen typischerweise morphologische Anpassungen an das Höhlenleben.
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| Troglophil |
Eutroglophil |
Höhlenliebende Tiere (Stygophile) – Tiere, die häufig in Höhlen vorkommen, aber auch an der Oberfläche leben können. |
| Trogloxen |
Subtroglophil |
Höhlenbesucher (Stygoxene) – Tiere, die gezielt Teile ihres Lebens in Höhlen verbringen, z. B. zum Übernachten, Überwintern oder als Versteck. |
| Eutrogloxen |
Zufallsgäste – Tiere, die nur zufällig in Höhlen gelangen und dort nicht dauerhaft leben. |
Bedeutung der Höhlenbiologie
Die Höhlenbiologie liefert wertvolle Einblicke in Anpassungsmechanismen, Endemismus und evolutionäre Prozesse unter extremen Umweltbedingungen. Sie zeigt, wie Organismen auf Isolation, Dunkelheit, Nahrungsmangel und konstante Klimaverhältnisse reagieren.